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StoryIT – Die passende Plotsoftware für Deinen Roman?

Ein Interview mit Chris Wagner

Der Autor und Software-Entwickler Chris hat ein Tool entwickelt, mit dem sich der komplexe Prozess der Storyentwicklung übersichtlicher gestalten lässt. Ursprünglich war StoryIt vor allem für den Eigengebrauch gedacht – doch irgendwann entstand die Idee, es über eine Crowdfunding-Kampagne auch weiteren Autor*innen zur Verfügung zu stellen.

Inzwischen hat die Software die Betatester-Phase durchlaufen und ist für jeden erhältlich. Im Interview erzählt Chris mehr über die Hintergründe des Projektes und vor allem die praktischen Anwendungsmöglichkeiten von StoryIT. Auch, wenn ich chronische Papier- und Karteikartenplotterin bin, finde ich das Projekt hochinteressant und freue mich, euch allen heute mehr darüber erzählen zu können.

Hier also das Interview!

Hi Chris! Ich freue mich, dass Du mir heute etwas über Deine Schreibsoftware “StoryIt” erzählst. Zunächst mal: Was ist StoryIt überhaupt?

Hallo Hanna, grüß Dich. Schön, dass wir dieses Interview machen können.

Ja. StoryIt. Das ist zuallererst einmal der Name einer neuen Online-Plattform, die ich auf die Beine gestellt habe. “Story it!” Der Name ist die Aufforderung, ES – den Einfall, der Dir durch den Kopf schwirrt – zu einer Geschichte zu machen. Und zwar zu Deiner ganz persönlichen, individuellen Geschichte. Daher auch das Motto: “Story it!” – Mach‘s zu deiner Geschichte.

StoryIt ist eine Anwendung, die im Browser bedient wird. Jeder Benutzer erhält einen eigenen Zugang. Er meldet sich an und hat dann die Möglichkeit seine Projekte – sogenannte Stories – anzulegen und zu bearbeiten.

In StoryIt dreht sich alles um Ideen. Und um Szenen. Und selbstverständlich kennt StoryIt auch noch viele andere Elemente, die aus der Geschichtenentwicklung vertraut sind, wie Figuren, Schauplätze, Schlüsselmomente und so weiter.

Das Plotting-Tool erleichtert die Organisation, unterstützt beim Finden der richtigen Informationen und hilft beim Zusammenfügen der Elemente, wie bei einem großen Puzzle, zu einer fertigen Geschichte.

Ein erster Blick ins Programm: Eine Story, die nach dem Drei-Akt-Modell geplottet wird.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, diese Software zu entwickeln?

Ich bekam es einfach nicht hin, mein komplexes Projekt mit Handlungssträngen in unterschiedlichen Realzeiten, Zeitsprüngen und Rückblenden übersichtlich abzubilden.

StoryIt entstand aus der simplen Notwendigkeit heraus, eine für mich passende Plotting-Software zu finden.

Ein neues Buchprojekt stand an. Eine komplexere Sache. Und wie bei jedem Buch bisher, ging ich auch diesmal zuallererst wieder auf die Suche nach der optimalen Organisationsmöglichkeit für meine Daten. Ich sammelte Einfälle in Googles Notizen-App, richtete mir in OneNote ein neues Notizbuch für das Buchprojekt her, mit eigenen Abschnitten für Figuren und für das Plotting, und begann in Word mit der Arbeit an der Plot-Struktur. Ich muss dazusagen, dass ich auch gerne unterwegs mal an meinem Plot arbeite – die besten Ideen überfallen mich völlig unerwartet.

Und wie jedes Mal, verwunden sich auch diesmal die Handlungsstränge zu einer undurchsichtigen Masse und ich tat mich schwer, die Plot-Struktur – meinen roten Faden– im Blick zu behalten. Und je mehr Informationen in das Buchprojekt flossen, desto unübersichtlicher wurde es.

Chris arbeitet, wie viele Autor*innen heutzutage, gern an Laptop und Handy. Ihm ist wichtig, dass sich seine Software unkompliziert auch von mehreren Geräten aus nutzen lässt.

Irgendwann kam der Zeitpunkt, da versuchte ich, den Überblick wiederzugewinnen, indem ich meine Szenen in den neuen Zeitstrahl der herausragenden Schreibsoftware Papyrus Autor packte. Ich machte mir da echt viel Arbeit und dieser Zeitstrahl ist wirklich toll. Doch das Vorhaben scheiterte. Ich kann nicht genau sagen, warum. Ich bekam es einfach nicht hin, mein komplexes Projekt mit Handlungssträngen in unterschiedlichen Realzeiten, Zeitsprüngen und Rückblenden übersichtlich in diesem Tool abzubilden. Zudem kamen noch OneNote und Word dazu, das ich auf aktuellem Stand halten musste.

Der Betrieb und die Weiterentwicklung finanzieren sich über die freiwillige Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform Steady. Jeder Unterstützer bekommt einen eigenen StoryIt-Zugang und kann fortan mit der Software arbeiten.

Ich muss dazusagen, dass ich mich schon eine ganze Weile mit dem Thema „Plotting“ beschäftigte und mir bereits etliche Plotting-Tools angesehen habe. Aber keine davon passte wirklich auf meine Arbeitsweise, was natürlich auch an meiner Herangehensweise liegen kann. Eine Extrahürde stellt meine mobile Arbeitsmethode aufTablet und Smartphone dar.

An dieser Stelle trafen zwei Dinge aufeinander: Ich bin freiberuflicher Autor, aber ich binauch hauptberuflicher Softwareentwickler. Da war es für mich naheliegend, die Zügel in die Hand zu nehmen und eine Software zu entwickeln – zunächst nur zum Eigengebrauch – um die weitere Planung meines Buchprojektes in geordnete Bahnen zu lenken.

In kürzester Zeit gab es eine erste Version von StoryIt, recht einfach gehalten aber optimal auf meine Arbeitsweise abgestimmt.

Es gibt ja bereits einige Programme für Autor*innen. Warum sollte ich als Schreibende mich gerade für “StoryIt” entscheiden?

Also erst einmal, was ganz wichtig ist: StoryIt ist keine Schreibsoftware! Das darf man nicht verwechseln.StoryIt ist die Idee, das professionelle Plotting in den Mittelpunkt zu rücken in Verbindung mit meinem Vorschlag: „Schau, so könnten wir‘s machen.“

StoryIt unterstützt bei Plotting und Planung. Außerdem enthält die Plattform ein Werkzeug zum „Übersetzen“ der abgeschlossenen Ausarbeitung – Szene für Szene – in ein Exposé.

Wenn die Arbeit am Manuskript beginnt, ist man mit StoryIt fertig.

Und das Zweite ist: Im Gespräch mit Autorenkollegen und -kolleginnen habe ich festgestellt, dass meine Herangehensweise – dieses teilweise chaotische Zusammentragen von Informationen, die erst während des Plottings zu einem sinnvollen Guss zusammenwachsen – gar nicht so selten praktiziert wird. Wer sich hier wiedererkennt, könnte an StoryIt gefallen finden.

Hast du das Projekt hauptberuflich entwickelt? Oder wie funktioniert die Finanzierung?

StoryIt finanziert sich über Crowdfunding. Dafür habe ich das Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Steady angemeldet. Diesen Weg fand ich deshalb so spannend, weil ich nicht das Gefühl hatte, ein Produkt verkaufen zu wollen. Stattdessen kam es mirso vor, meine Idee vom Geschichtenentwickeln, für alle zugänglich machen zu wollen. StoryIt für alle.

Der Betrieb und die Weiterentwicklung finanzieren sich über die freiwillige Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform Steady. Jeder Unterstützer bekommt einen eigenen StoryIt-Zugang und kann fortan mit der Software arbeiten.

StoryIt ist die Idee, das professionelle Plotting in den Mittelpunkt zu rücken in Verbindung mit meinem Vorschlag: „Schau, so könnten wir‘s machen.“ Niemand soll sich für StoryIt entscheiden. Man muss sich nicht festlegen. Es steht jedem frei, es einfach auszuprobieren. Der Zugang zur Plattform ist für 30 Tage gratis zu haben. Und wenn man sich damit wohlfühlt, bleibt man bei der Gemeinschaft, unterstützt das Projekt und kann das Online-Werkzeug weiterhin nutzen.

Jeder kann selbst entscheiden, wie ausführlich er seine Szenen im Vorfeld durchstrukturiert.

Ich schreibe gern: StoryIt ist von Autoren für Autoren. Und das meine ich auch so. Es ist mir sehr wichtig, dass sich die StoryIt-Community auf der Plattform wohlfühlt und alle Werkzeuge zur Verfügung hat, die sie braucht, um Geschichten zu entwickeln. Für Verbesserungsvorschläge bin ich offen. So wurde beispielsweise die Autosave-Funktion von einem freundlichen Autorenkollegen gewünscht. Und auch das Storygitter ist die Erweiterung des Vorschlags einer kompetenten Kollegin, der an mich herangetragen wurde.

Und wer auf der Steady-Seite den Punkt „Blick in die Zukunft“ betrachtet, wird sehen, dass schon einige nützliche Dinge auf der Warteliste stehen – Vorschläge von Autoren für Autoren.

Du bist auch als Autor aktiv. Wie fließen Deine Erfahrungen mit dem Schreiben in das Programm ein?

Das kann ich Dir sagen. Da ich StoryIt erst einmal für mich selbst programmiert habe, spiegelt der Grundaufbau das wieder, was ich unter Plotting verstehe: Geschichten gliedern sich in Szenen und diese werden Plotpunkten untergeordnet, die einer vorgegebenen Struktur folgen. Das Ganze ist recht flexibel gestaltet, sodass jede Autorin und jeder Autor die Möglichkeit hat, Plot-Strukturen wie die „Heldenreise“ an dieBedürfnisse seiner Geschichte anzupassen und die Eigenkreationen auch in künftigen Stories wiederzuverwenden.

Meine Erfahrung als Schriftsteller hat mich gelehrt, dass Programme, die zu viele Eingaben von Autor*innen abverlangen, der Kreativität den Garaus machen können.

Aber auch Bedarfe, wie die Notwendigkeit, mit zwei Zeitebenen umgehen zu können – der chronologischen Reihenfolge sowie mit dem Ablauf, wie ihn der Leser erlebt – entstammen aus meiner persönlichen Erfahrung als Autor.

Der multiple Zeitstrahl erlaubt es, verschiedene Zeitebenen und Handlungsstränge übersichtlich miteinander zu verweben.

Was für mich praktisch war, findet sich heute in StoryIt wieder.

Meine Erfahrung als Schriftsteller hat mich auch gelehrt, dass Programme, die zu viele Eingaben von Autor*innen abverlangen, der Kreativität den Garaus machen können. Darum ist bei StoryIt das meiste optional und Felder, die beispielsweise Personen oder Orte beschreiben, können von ihren Anwender*innen jederzeit frei angepasst werden.

Wie hilft die Autorensoftware “StoryIt” mit dabei, aus meiner Idee eine Geschichte zu machen?

Beim Entwickeln der Software ging es mir darum, Einfälle, die mir wie vom Blitz getroffen unerwartet durch den Kopf schießen, schnell und unkompliziert so ablegen zu können, dass sie zum richtigen Zeitpunkt sofort wiedergefunden werden.

Ideen können einen an den unmöglichsten Orten erwischen …

Ideen sind die Straße, auf denen Geschichten fahren. Ohne Einfälle kommen die Erzählungen ins Stocken. Darum sind Ideen ein elementarer Bestandteil von StoryIt. Beim Entwickeln der Software ging es mir darum, Einfälle, die mir wie vom Blitz getroffen unerwartet durch den Kopf schießen, schnell und unkompliziert so ablegen zu können, dass sie zum richtigen Zeitpunkt sofort wiedergefunden werden. Deshalb ist dieSchaltfläche NEUE IDEE so gut wie an jeder Stelle der Software nur einen Klick entfernt.

Ideen können Plotpunkten, Figuren, Schauplätzen und Szenen zugeordnet werden. Sobald die Arbeit am jeweiligen Element in Angriff genommen wird, machen sich die Ideen ganz von selbst bemerkbar, nach dem Motto: „Hey. Schau mal. Musst Du Dich nicht noch um mich kümmern?“

Und weil sich nach und nach so viele Ideen in einer Story sammeln, können diese zu einer Ideenspinne – das ist eine Art Netzwerk – zusammengeführt werden. Das macht Zusammenhänge deutlich und regt die Fantasie an, wie ich finde.

Ideen lassen sich jederzeit unkompliziert ergänzen und später weiterverfolgen.

Eine wichtige Herausforderung beim Schreiben liegt darin, spannende und lebendige Charaktere zu erschaffen. Wie unterstützt mich die Software dabei?

Beim Erfassen der Figuren bietet StoryIt Autor*innen die Möglichkeit, sich Gedanken über Dinge wie Want, Need, das Hauptziel oder das Lebensmotto zu machen. Auch hier ist der StoryIt-Anwender flexibel und kann die Vorgaben frei an die für ihn wichtigen Erfordernisse anpassen.

Im sogenannten Storyblatt findet sich die Aufforderung an die Schriftsteller*in, sich Gedanken zu machen, wie sich der Verlauf der Geschichte aus Sicht der Hauptfiguren darstellt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Wechseln der Perspektive oftmals Augen öffnet und Ideen ausmacht, die auf geradem Wege nicht hervorgetreten wären.

In naher Zukunft wird StoryIt um die Möglichkeit erweitert, Beziehungen zwischen den Figuren darzustellen. Auch das ist ein Wunsch aus der Community.

Eine Besonderheit, wie das Plotting-Tool mit den Figuren umgeht, möchte ich noch hervorheben:

Figuren können Eigenschaften haben, die sich im chronologischen Verlauf der Geschichte verändern und deren Veränderung für die Story wichtig ist. Nehmen wir einmal an, ein Räuber ist im Besitz einer Schusswaffe. Doch die fällt in einer Flussszene ins Wasser und ist fortan nicht mehr schussbereit.

StoryIt greift auf, wenn sich Figuren oder Gegenstände ändern.

StoryIt ist in der Lage, mit solchen Eigenschaften umzugehen. So zeigt die Anwendung die Schusswaffe vor der Szene am Fluss als funktionstüchtig an, danach als defekt, wenn man die Figur des Räubers betrachtet. Das funktioniert auch in einem Rückblick. Dasselbe gilt übrigens für Schauplätze und deren Eigenschaften – Fenster offen, Fenster zu.

In naher Zukunft wird StoryIt um die Möglichkeit erweitert, Beziehungen zwischen den Figuren darzustellen. Auch das ist ein Wunsch aus der Community. Ich stelle mir vor, eine Art Netzwerk zu visualisieren, das Charaktere in den Mittelpunkt rückt, mit der Information, welche Charaktereigenschaften durch die Beziehungen hervorgebracht werden. Ich denke, so ein Vorgehen unterstützt bei der Entwicklung multidimensionaler Figuren.

Kann ein Computerprogramm mir helfen, einen spannenden Plot zu entwickeln? Wenn ja, wie?

Auch über den Handyscreen lassen sich szenische Zusammenhänge problemlos darstellen.

Ein wesentliches Merkmal von StoryIt sind die Plot-Strukturen. Viele bekannte Strukturen wie die Heldenreise oder das 3-Akte-Modell sind auswählbar. Außerdem können auf den Wunsch der Community hin jederzeit weitere Strukturen hinzugefügt werden.

Ein anderes spannungserzeugendes Element, mit dem ich gerne arbeite, ist der sogenannte Schlüsselmoment. Hier geht es um Ereignisse, die vorbereitet und später ausgeführt werden. Es geht um Andeutungen, die im Verlauf der Geschichte ihre Erklärung finden. Und es geht um Überraschungsmomente, die geschickt eingeführt werden.

Viele bekannte Strukturen wie die Heldenreise oder das 3-Akte-Modell sind auswählbar.

StoryIt kennt den Schlüsselmoment als eigenständigen Baustein, der mit einer Szene verbunden werden kann. Auf diese Art und Weise erhält man den Überblick über noch nicht aufgelöste Geschehnisse und über offene spannungstreibende Ereignisse, die jederzeit eingesetzt werden können.

Wenn die Vorarbeiten abgeschlossen sind, beginnt der eigentliche Schreibprozess. Wie nutze ich StoryIt, um einen Anfang für meinen Roman zu finden? Wie funktioniert das Schreiben?

Alle Informationen aus dem Plotting-Tool können als Word-Datei heruntergeladen werden.

Für das Schreiben gibt es hervorragende Programme. Und der Eine oder Andere verwendet dafür vielleicht sogar den guten alten Füller.

An dieser Stelle grenzt sich StoryIt ganz klar von der klassischen Schreibsoftware ab. Ist die Planung beendet, dann spielt StoryIt keine Rolle mehr. Mit der Textüberarbeitung hat StoryIt ebenfalls nichts zu tun.

Einer der schönsten Momente im Autorenleben: Der Plot steht und die eigentliche Geschichte kann beginnen.

Kann ich das Programm auch für mein Exposé nutzen?

Es gibt einen Menüpunkt mit dem Titel Szenen2Exposé. Und auch diesen habe ich wieder zu allererst für mich entwickelt.

Hier geht es schlicht darum, Szene für Szene durchzublättern und kurze Kommentare zu schreiben. Das Resultat kann als Word-Datei heruntergeladen werden und dient als Richtschnur hin zum Exposé.

Das klingt wirklich spannend. Vielleicht sollte ich meine Karteikärtchen beim Plotten doch mal ad acta legen und der virtuellen Welt eine Chance geben. Wo kann ich StoryIt denn finden und herunterladen?

StoryIt kann man nicht herunterladen. StoryIt ist eine Online-Plattform – eine Internetseite sozusagen.

Der Betrieb und die Weiterentwicklung finanzieren sich über die freiwillige Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform Steady. Jeder Unterstützer bekommt einen eigenen StoryIt-Zugang und kann fortan mit der Software arbeiten.

Wenn man das Tool nutzen möchte, genügt es, ein Unterstützer-Paket auf der Plattform Steady zu buchen. https://steadyhq.com/de/storyit (https://steadyhq.com/de/storyit Ich lege für jeden Unterstützer den persönlichen Arbeitsbereich an und lasse ihm die Zugangsdaten per automatisierter E-Mail zukommen. Übrigens: Man muss auch nicht die Katze im Sack kaufen. Die ersten 30 Tage sind gratis.

Lieber Chris, ich freue mich gerade riesig, dass Du als einer von uns – also einer von denen, die das Schreiben lieben und anderen neue Türen dafür öffnen wollen – Dir all die Arbeit gemacht hast und uns so ein cooles neues Projekt zur Verfügung stellst!

Liebe Hanna, ich freue mich, dass dir das Konzept gefällt.

Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg – und viele begeisterte Software-Nutzer*innen und Supporter!

Bildnachweis: ________________
Bilder aus dem Programm: Chris Wagner
Glühbirnen: Photo by Alejandro Escamilla on Unsplash
Laptop und Handy: Photo by Alejandro Escamilla on Unsplash
Pistole: Photo by Jens Lelie on Unsplash
Schreibender Mann: Photo by Adolfo Félix on Unsplash

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Romanstruktur finden

19. INSPIRATIONSTÜRCHEN

Als Julia an diesemAbend nach Hause kommt, überfliegt sie das bisherige Dokument ihrer neuen Geschichte. Sie hat bereits einige kleine Passagen geschrieben, die für sich genommen interessant sind, aber dazwischen klaffen riesige Lücken. Noch passen weder die Erzählstimme noch die Handlung richtig zusammen. Bisher stehen da vor allem Fragmente, die Ecksteine oder Wendepunkte der Handlung werden können oder in denen sie ein Gespür für ihre Figur zu finden hoffte.

“Struktur hilft dabei, das zu erforschen, für das es keine Worte gibt”, rät der Inspirationskalender ihr an diesem Abend.

Ein dezenter Hinweis, dass sie sich allmählich darum bemühen sollte, ihrem Plot etwas mehr Struktur zu geben?

Julia holt ihren A3-Block hinter dem Regal hervor und skizziert ein Koordinatensystem, in das sie die bisherigen Eckpunkte einträgt. Hat einer davon das Zeug, der erste oder zweite Wendepunkt zu werden? Was ist der Höhepunkt der Story, wie kann sie die Plotpoints darauf abstimmen, dass jeder einzelne davon ein kleinerer Point of no Return wird, an dem ihre Heldin ein weiteres Stück ihres alten Lebens zurücklässt?

Die erste Entwurfsfassung gefällt ihr noch nicht.

Julia beginnt eine neue Skizze. “Wahrheit”, schreibt sie in die Mitte und umkringelt es fett. Wahrheit ist das, was die Heldin am Ende brauchen wird, um ihren Sieg einzufahren. Das bedeutet, dass es auf der Gegenseite auch um Lügen gehen muss.

Für Julia heißt das wohl, dass sie mehr darüber recherchieren muss, was Wahrheit und Lüge für sie selbst bedeuten. Nur dann kann sie ein glaubhaftes Auf und Ab zwischen beiden Werten entwickeln, das am Ende auch ihre Leser*innen in den Bann ziehen wird.

Je länger sie darüber nachdenkt, desto mehr Eckdaten und Strukturpunkte für ihre Story fallen ihr ein. Fast kommt es ihr vor, als sei die Muse wieder im Raum, doch sie blickt nicht hoch, um das scheue Geistwesen nicht zu verscheuchen.

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Freiwilliger Schreibauftrag für Julia (und Dich):

Stelle einen Timer auf fünf Minuten. Schreibe auf, wie sich die erste und die letzte Szene deiner Traumstory anfühlen und voneinander unterscheiden.

Teile das Ergebnis gern als Kommentar!

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Sei dabei, wenn Julia morgen das nächste Türchen in ihrem Inspirationskalender öffnet!

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Photo by Phil Botha on Unsplash

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Storywerte – Ein genialer Trick für mehr Tiefe im Roman!

 

Meine größte Leidenschaft als Autorin und Dozentin liegt darin, immer neue Wege zu erforschen, gute Geschichten in grandiose zu verwandeln. In meine Arbeit sollen stets die neusten Erkenntnisse und Methoden des professionellen Storytellings einfließen.

Ann-Kathrin Speckmann und Franziska Franken sind zwei junge Frauen, die diese Leidenschaft teilen. Nachdem sie direkt nach meinem Einstieg in die Welt der Wochenendseminare bei mir gelandet sind, haben sie bisher jeden Kurs mitgenommen. Nach intensiver Arbeit zur Methode der Storywerte (basierend auf Robert McKee) und der antagonistischen Kraft im Roman habe ich sie gebeten, ihre Erkenntnisse für diesen Blog zusammenzufassen.

Franziska schreibt:

“Was hilfreich ist, um sich das Spannungsfeld der eigenen Idee beim Schreiben klar zu machen, ist, den Hauptkonflikt zunächst in ein Gegensatzpaar herunterzubrechen. Das können gewisse “Werte” sein, die gegeneinander kämpfen, und die einem vielleicht am Anfang etwas trivial vorkommen. Eine Story kann von Glück und Unglück einer Figur handeln, von Freiheit und Gefangenschaft, von Erfolg und Misserfolg und so weiter.

Der positive und der negative Wert kämpfen miteinander, mal hat der eine die Oberhand, mal der andere. Diesen Kampf kann man sich in etwa wie eine Sinuskurve vorstellen: Um Spannung aufzubauen, müssen sich die beiden Gegensätze abwechseln.

Dabei ist es vor allem für den negativen Wert wichtig, dass er sich im Laufe der Handlung drastisch (möglicherweise bis zum Schlimmstmöglichen) verstärkt. Eine Person, die vom Unglück verfolgt ist, verpasst möglicherweise zu Beginn nur die Bahn; am Ende sinkt das Kreuzfahrtschiff, auf dem sie gerade Urlaub macht.”

 

(Franziska Franken)

Hanna schreibt:

Wenn man die Storywerte für die eigene Story herausgearbeitet hat, empfehle ich auf Grundlage der Methode von McKee, aus diesen ein grafisches Mindmap anzufertigen. Links oben steht der positive Wert, rechts unten der negative:

Als Nächstes überlegt man sich, wie der negative Storywert in abgeschwächter Form aussehen könnte, und trägt diesen Wert ebenfalls in die Grafik ein:

Laut McKee kranken viele mittelmäßige Geschichten daran, dass die Autor*innen ihre Geschichte nur bis zu diesem Punkt planen und plotten. Die wirklich guten und grandiosen Storys gehen jedoch immer noch einen Schritt weiter und stellen auch die Frage, welche Form der zu bekämpfende Negativwert in seiner krassesten Ausprägung hat.

Die Auseinandersetzung mit diesen Storywerten führt normalerweise nicht unmittelbar zu einem Plot, der sich in die Herzen der Lesenden brennt. Meist bewirkt sie als Erstes, dass man den gesamten bis dahin geplanten Plot und Konflikt noch einmal überprüft und feststellt, dass die eigene Story viel mehr Möglichkeiten hat, als man zunächst annahm.

Ann-Kathrin schreibt:

“Story-Werte sind das Allgemeingültige hinter einer Geschichte. Sie sind der Grund, warum ein Leser mitfiebert, obwohl er möglicherweise kaum eine Verbindung zur konkreten Geschichte hat. Es gibt immer einen positiven Wert, also das, was der/ die Protagonist/in glücklich macht: Liebe, Freiheit, Individualität, Nähe, Wissen oder etwas ganz anderes.Zu diesem positiven Story-Wert existiert immer ein Gegenteil. In den oben genannten Beispielen wären das vielleicht Hass, Sklaverei, Angepasstheit, Ferne und Unwissen.

Das jeweilige Gegenteil hat drei Ausprägungen: eine abgeschwächte, eine normale und eine extreme Variante.

Der Trick ist es, die passenden Story-Werte für die eigene Geschichte zu finden.

Manchmal scheinen sie ganz offensichtlich, in anderen Fällen muss man erst danach suchen und oftmals werden sie beim Plotten und Schreiben noch einmal (oder mehrfach) angepasst, verworfen und neu entdeckt.

Die finalen Story-Werte sollten in jeder einzelnen Szene auftauchen und sich in die eine oder andere Richtung verschieben.

Das heißt im ersten Akt und im ersten Wendepunkt geht es vorrangig um den abgeminderten negativen Story-Wert. Im zweiten Akt gewinnt die normale Ausprägung des negativen Story-Werts an Bedeutung, bis er sich schließlich im letzten Akt zur extremen Variante weiterentwickelt. Bei einem Happy End reißt der Autor das Ruder in letzter Sekunde rum, sodass der positive Story-Wert gewinnt.”

Ann-Kathrin Speckmann

 

Wie man sieht, kann die Arbeit mit den Werten richtig Spaß machen – und den eigenen Kreativprozess beflügeln!

Nutzt ihr auch Storywerte für eure Arbeit – oder könnt euch nach diesem Artikel vorstellen, es zu tun?

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Bildnachweis: Alle Rechte bei Hanna Aden. Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis der Abgebildeten.