Wofür braucht es Beschreibungen?

Im modernen Storytelling gelten Beschreibungen, die die Handlung nicht voranbringen, meist als unelegant. Eine gute Story, so hört man überall, entfaltet nicht zuletzt durch das Tempo ihrer Handlung und die Dialoge ihre Sogwirkung. Seitenlange Beschreibungen von Landschaften, wie sie zum Beispiel Karl May gern nutzte, passen nicht zu modernen Lesegewohnheiten.

Trotzdem benötigst Du für Deine Story Beschreibungen, um Deinen Lesern zu zeigen, innerhalb welcher Umgebung Deine Figuren agieren und wie sie aussehen und auf andere wirken. Wichtig dabei ist, dass Deine Beschreibung stets auch Informationen zu mindestens einem der drei folgenden Punkte vermittelt:

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Charakterisierung einer Figur
  • Die Erzählfigur hat einen ganz eigenen Blick auf die Welt, der sich auch in ihrer Sprache manifestiert
  • Die Persönlichkeit einer Figur wird durch ihre Kleidung oder die Einrichtung ihres Zimmers beschrieben
  • u.v.m
  • Ein innerer Konflikt Deiner Figur wird sichtbar durch Zähneknirschen, verweintes Make-up, nicht zusammenpassende Kleidung etc.
  • Du zeigst einen Konflikt zwischen den Gefühlen der Figur und der Atmosphäre der Umgebung. Die Figur singt inmitten von verregneten grauen Häusern, oder sie verspürt innere Leere inmitten einer fröhlichen Hochzeitsfeier
  • Die Figur konzentriert sich auf ein winziges Detail, zum Beispiel einen Riss in einer Tapete, um sich von ihren Gedanken abzulenken
  • u.v.m.
Konflikte
Entwicklung - Etwas verändert sich
  • Die Atmosphäre eines Ortes ist zunächst behaglich. Durch das Einfügen bedrohlicher Details sorgst du für eine allmähliche Stimmungsveränderung.
  • Die Atmosphäre eines Ortes ist warm und angenehm. Eine Explosion oder der Fund einer Leiche verändert alles innerhalb einer einzigen Sekunde.
  • u.v.m

(Diese drei Funktionen gehen zurück auf den Schreibratgeber “Wort für Wort” von Elizabeth George, erschienen im Goldmann-Verlag)

Praxistipp: Das Arbeitsbuch von Hanna Aden

Schreibtheorie ist kompliziert? Das Workbook “Finde den Weg zu Deiner Story” beweist Dir das Gegenteil.

Schreibtipp 1: Nutze alle Sinne, nicht nur die Augen

Schreiben mit allen Sinnen

Menschen nehmen im Regelfall siebzig bis achtzig Prozent der Informationen über ihre Umgebung über die Augen wahr. Deswegen beschreiben Anfänger:innen ihre Welt und Protagonisten oft ebenfalls hauptsächlich über Dinge, die man sehen kann, zum Beispiel die Farbe der Haare oder den Schnitt des Mantels. Nutze bei Deiner nächsten Beschreibung alle fünf Sinne, also auch …

  • Schmecken (Kaugummi oder säuerlicher Geschmack im Mund der Erzählfigur, metallischer Geschmack im Wind)
  • Riechen (Parfüm, Stress/Angst/Deoversagen, Motoröl, Luft nach einem Regenguss, …)
  • Hören (Klang einer Stimme, Geräusche aus der Nachbarwohnung, Maschinen, Vögel, …)
  • Fühlen (Schmerzen, Oberfläche von Stoff oder Gegenständen, Wind, Kälte …)

Schreibtipp 2: Beschreibe Gegenstände und Umgebung nicht isoliert

Binde die Beschreibung in die Handlung ein

Eine gute Beschreibung entwickelt sich dynamisch und nicht statisch. Wenn Du Deinen Leser:innen eine Vorstellung davon vermitteln willst, wie das Zimmer einer Figur aussieht, schreibe nicht vier Absätze über die Einzelheiten der Möbel und Bücher. Lass die Figur Dinge in die Hand nehmen. Vielleicht fällt etwas herunter. Der Anblick eines Bildes oder Kleiderbügels kann Gedanken auslösen.

Du kannst auch sprachlich die Illusion von Bewegung schaffen, wenn Dinge „aufblitzen“, Farben sich miteinander „abwechseln“ oder die Augen eines Portraitbildes dem Betrachter durch das Zimmer „folgen“.

Vergleiche hierzu auch:

Schreibtipp 3: Nutze interessante Verben

Dynamische Verben

Wie schon bei Schreibtipp 2 beschrieben, entwickelt die bewusste Auswahl Deiner Verben eine Menge Drive. Dieses Stilmittel wirkt unterhalb der Bewusstseinsschwelle. Ein Computeralgorithmus hat herausgefunden, dass man allein aufgrund der Art der Verben mit siebzig Prozent Wahrscheinlichkeit herausarbeiten kann, ob ein Buch sich zum Bestseller entwickelt! Grund genug, den eigenen Text spätestens beim Überarbeiten auf spannende Verben zu überprüfen.

Überprüfe die Macht interessanter Verben selbst anhand der folgenden Beispiele:

"Das Haus ist hoch."

Das Verb „sein“ ist das langweiligste, dass es gibt. Das gilt auch für Konjugationen wie “bin”, “bist”, “ist” und “sind”.

Hierdurch entsteht auf sprachlicher Ebene keinerlei Dynamik oder Spannung. Gut, man weiß jetzt, dass das Haus hoch ist. Aber interessiert das beim Lesen?

"Das Haus reckt sich in den Himmel."

Hier wird durch die Sprache eine zweite Bedeutungsebene erschaffen. Die Figur, die auf diese Weise über das Haus denkt, will vermutlich ebenfalls bis in den Himmel greifen, oder fürchtet sich vor Menschen mit diesem Ziel.

Auf einmal hat die Höhe des Hauses Einfluss auf die Stimmung der Geschichte …

… und Du hast mit einer scheinbar harmlosen Beschreibung Deine Geschichte mit Bedeutung und Subtext aufgeladen.

"Das Haus überschattet seine Umgebung und zwingt andere Häuser in die Bedeutungslosigkeit"

Natürlich kann ein Haus all das nicht tun – aber durch die Konzentration auf die zwei Verben erzeugt der Satz ein viel präziseres Bild als die ursprüngliche Aussage. Indem Du also nach interessanten Verben suchst, um die Größe des Hauses zu beschreiben, erzählst Du im Subtext eine ganz andere Geschichte.

Verben sind mächtig!

Schreibtipp 4: Bildhafte Sprache (Vergleiche und Metaphern)

Bei einem Vergleich wird zur Beschreibung etwas anderes herangezogen. Das Blau von Augen wird nicht anhand der Pantone-Farbskala definiert, sondern mit dem Blau des Meeres, des Himmels, schimmerndem Stahl oder Kornblumen verglichen. Jeder dieser vier Vergleiche wurde in der Literatur schon so oft verwendet, dass er inzwischen als Klischee gilt – aber vielleicht findest Du neue und interessante Vergleiche für diese Augenfarbe?

Die Metapher ähnelt als Stilmittel dem Vergleich. Sie verzichtet dabei jedoch auf das Wort ‚wie‘. Dadurch wirkt sie sprachlich mutiger und kraftvoller.

Sei achtsam, wie oft Du bildhafte Sprache verwendest. Nutze lieber eine kraftvolle Metapher alle zwanzig Seiten als zwanghafte Vergleiche in jedem Absatz, die schnell ermüden.

Beispiele:

Vergleiche: 

"Ihre Augen schimmerten so braun wie Bernstein"

"Boris war so groß wie ein Riese"

"Ihre Haare leuchteten wie Gold"
Die Metapher ähnelt als Stilmittel dem Vergleich. Sie 
verzichtet dabei jedoch auf das Wort ‚wie‘. Dadurch wirkt 
sie sprachlich mutiger und kraftvoller.

Schreibtipp 5: Ein Roman ist kein Sachbuch!

Subjektivität

Was immer Du beschreibst, beschreibe es subjektiv. Eine Geschichte ist kein Sachtext, in dem für Objektivität besondere Punkte vergeben werden. Die Geschichte, die Du erzählst, schildert Momente und Schlüsselerlebnisse im Leben einer oder mehrerer Figuren. Der subjektive Blick der Figuren auf die Welt ist ein Teil von dem, was Deine Geschichte spannend macht. Für ein kleines Kind ist der glitzernde Kieselstein in der Einfahrt ein Schatz, für den peniblen Nachbarn Schmutz, für den Rennradfahrer vielleicht ein gefährliches Hindernis auf dem Endspurt.

Beschreibe die Welt und Figuren nicht durch Deine eigenen Augen, sondern finde heraus, wie sie sich durch den Blick Deiner Figuren darstellen. Auf diese Weise wird es leichter, Dich für konkrete Details zu entscheiden, die wichtig genug für Deine Story sind.

Schreibtipp 6: Kurze Sätze

Kurze Sätze sind das A und O einer guten Beschreibung. Anfänger:innen sehen das oft anders. Mit komplizierten Schachtelsätzen wollen sie beweisen, wie gut sie die Sprache beherrschen. Dummerweise erschweren sie es damit ihren Leser*innen, sich durch die Schachtelsätze hindurchzukämpfen.

„Mein Buch braucht keine Leser, denen es nicht die Mühe wert ist, sich durch meine Sprache hindurchzukämpfen und zu erfassen, was ich sagen will“, wurde mir einmal gesagt.

Niemand kann Dir verbieten, mit dieser Haltung an das Erzählen heranzugehen. Ich empfehle trotzdem, dass Du den Stil so entwickelst, dass das Lesen für jeden so angenehm wie möglich wird. Manchmal sind lange Sätze tatsächlich das Stilmittel der Wahl. Die Faustregel lautet jedoch: Kurze Sätze sind das A und O einer guten Beschreibung.

Praxistipp: Komme direkt in die Umsetzung

Dein Vorteil bei diesem Workbook ist, dass ich Dir als professionelle Autorin gleich aus zwei Gründen wertvollen Input für Deinen künstlerischen Weg mitgebe. Als Schriftstellerin und gleichzeitig Lehrerin besitze ich das notwendige Wissen und weiß, wie man es vermittelt.

Learning by Doing:

Mit diesem Workbook erhältst Du auf hundert Seiten eine spielerisch und leicht anmutende Einführung in das Schreibhandwerk. In diesem Workbook gibt es nahezu keine Theorietexte oder Beispiele von anderen. Dafür gibt es genug andere Schreibratgeber, deren Verfasser:innen oft genug voneinander abschreiben und sich gegenseitig zitieren.

In diesem Arbeitsbuch findest Du stattdessen 100 Seiten, die Dich direkt in die Praxis bringen. Du erhältst das komprimierte Resultat von über 20 Jahren Erfahrung als Schriftstellerin und Lehrerin auf eine Weise, die Dich zum Schreiben animiert und die Theorie vergessen lässt. Während des Arbeitens begreifst Du bei jedem einzelnen Aspekt des Handwerks:

Natürlich, so funktioniert es. Ich habe es getan und währenddessen die Methode verstanden. Jetzt kann ich sie auch für künftige Bücher nutzen.

Noch bearbeiten: Block zur Kurseinladung

Die Verfasserin:

Hanna Aden (*1983) ist Schriftstellerin und examinierte Lehrerin. Seit 2015 unterstützt sie als Seminarleiterin und Coach angehende und professionelle Autor:innen auf ihrem Weg.

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Danke, dass Du meinen Text gelesen hast! Ich mag neugierige und wissbegierige Menschen. Besonders, wenn sie sich für das Erzählen von Geschichten interessieren.

In meinem Newsletter verschicke ich (halbwegs) regelmäßig Tipps über das Schreiben, Inspirationals und informiere Dich über neue Blogbeiträge und Videos. Außerdem schenke ich Dir als Dankeschön für Dein Interesse das E-Book “Romane schreiben für Anfänger:innen” im PDF-Format. Dort erhältst Du 18 praktische und direkt umsetzbare Lektionen, die Dir die Basics des Schreibhandwerks informativ und fesselnd vermitteln.

Mein Best Buddy würde sagen: Gönn Dir!

Ich freue mich darauf, Dich vielleicht schon bald in einem meiner Kurse kennenzulernen.

Liebe Grüße
Hanna

Bildbearbeitung: Diana Aslan. Alle Fotogrundlagen als Lizenz bei Shutterstock erworben.


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