Romane schreiben für Anfänger – 8 Profi-Tipps für Deine Romanfiguren

In den vorigen drei Tutorials hast Du Blickwinkel kennengelernt, mit denen Du Deine Figuren einzigartig werden lässt. Die Herangehensweise war dabei in erster Linie analytisch und zielte darauf ab, Dir Wissen und Struktur zu vermitteln.

In diesem Beitrag verrate ich Dir Methoden, mit denen Du Deine Figuren ganz praktisch erforschen kannst. Manche dieser Techniken sprechen eher die intuitiven Schreibkanäle an. Andere helfen dabei, die Vielfalt an Ideen zu strukturieren und in eine Form zu bringen, die Dich bei der Weiterarbeit unterstützt. Wähle die Methoden, die am besten zu Deinem Arbeitstyp passen.

Immer, wenn Du auf Deinem bevorzugten Weg nicht weiterkommst, wähle stattdessen eine Methode, die die andere Hirnhemisphäre anspricht.

Tabelle

(Analytische Methode)

Tabellen helfen dabei, die Vielfalt von Ideen in eine ordentliche Struktur zu geben. Mit ihrer Hilfe kannst Du zum Beispiel verschiedene Figuren miteinander vergleichen. Du kannst für Deine Figurtabelle die Tipps für unvergessliche Romancharaktere wählen, aber auch eigene Kriterien entwickeln.

Eine weitere tabellarische Methode hierbei ist die chronologische Beschreibung des Lebens der Figur. Wenn Du Jahr für Jahr vorgehst, arbeitest Du vermutlich sehr lange. Es ist sinnvoller, hier mit Schlüsselereignissen zu arbeiten. Einschulung, Einschnitte im Leben (Umzug, Trennung von Eltern), Berufsentscheidungen, erste Partnerschaft etc.

Mit Tabellen kannst Du auch gut verschiedene Figuren miteinander vergleichen und darauf achten, dass sie sich voneinander unterscheiden.

.

Familien-stammbaum

(Analytische Methode)

Das Aufzeichnen des Familienstammbaums hilft dabei, Konflikte zu entwickeln, die das Leben Deiner Figur geprägt haben können.

  • Wer ist aus dem Familiensystem verstoßen worden? Hat das die Kindheit der Figur beeinflusst?
  • Wo gab es Fehlgeburten, verbotene Homosexualität, schlimmere Geheimnisse?
  • Ist jemand ein älteres Geschwisterkind und übernimmt Verantwortung für Schwächere? Oder wie sieht die Geschwisterhierarchie sonst aus?
  • Wo gab es Affären, die geheim gehalten werden mussten, und/oder Kuckuckskinder?

.

Aufzeichnen des Figuren-Netzwerks

(Analytische Methode)

Nimm ein großes Blatt, mindestens DIN A3. In die Mitte des Blattes zeichnest Du Deine Hauptfigur. Um sie herum kommen all die Menschen, die jetzt in ihrem Leben wichtig sind. Je näher sie sind, desto mehr Bedeutung besitzen sie.

Durch die Art der Linien kannst Du Konflikte, Sympathien, finanzielle Interessen und Sexualität sichtbar machen. Du wirst eine Menge über Deine Figur erfahren, was Du nie für möglich gehalten hast!

.

Bilder von Deinen Figuren zeichnen oder suchen

(Kombination aus intuitiver und analytischer Methode)

Bilder sprechen zum Unterbewusstsein. Das gilt nicht nur, aber auch beim Aussehen der Figuren. Egal, ob Du Deine Figur zeichnest oder online nach Bildern ähnlich aussehender Personen suchst – Sie wird für Dich physisch Gestalt annehmen. Auf diese Weise wird sie realer und leichter zu schreiben. Suche im Gesicht der Menschen ruhig nach Fragen, die sie beschäftigen!

Solche Bilder kannst Du übrigens auch gut in Tabellen zur Figuranalyse einarbeiten, in die Mitte einer Mindmap kleben oder sie an anderen Stellen verwenden.

.

Mindmap

(Intuitive Methode)

Stelle einen Timer auf 10 oder 15 Minuten. Nehme ein Blatt, am besten mindestens DIN A3, und schreibe in die Mitte den Namen und das Alter Deiner Figur. Von hier aus entwickelst Du Ideen. Du kannst Dich dabei zu Anfang an den Details zur Figurentwicklung orientieren.

Finde heraus, in welche Richtung sich Deine Gedanken entwickeln. Alles ist erlaubt!

.

Tarotkarten

(Intuitive Methode)

In der Realität funktioniert Wahrsagen zum größten Teil über den sogenannten Barnum-Effekt und Menschenkenntnis. Bilder, die auf Pappe gedruckt wurden, haben für sich allein meiner Ansicht nach keinerlei Macht über das Schicksal, die Vergangenheit oder die Zukunft.

Trotzdem gibt es viele Menschen, die sich gern die Karten legen lassen, sei es als Partyspaß oder aus Liebeskummer.

Der Grund dafür liegt darin, dass die Karten durch ihre Bilder direkt zum Unterbewusstsein sprechen. Sie erzählen eine Geschichte. Wenn Du irgendwann mal ein Set bekommen hast und es bei Dir herumliegt – warum nutzt Du es nicht, um Deinen Figuren ihr Schicksal zu prophezeien?

Dabei entstehen garantiert neue Ideen.

.

Figur-Tagebuch

(Intuitive Methode)

Stell Dir vor, Du bist Deine Figur. Ein Konflikt in Deinem Leben belastet Dich. Deswegen schreibst Du Tagebuch. Vielleicht geht es Dir besser, wenn Du Dir alles von der Seele schreibst.

Dieser Text ist nicht dazu bestimmt, später im Manuskript aufzutauchen, sondern ausschließlich zum Kennenlernen Deiner Figur. Gib ihr Raum, ihre eigene Meinung zur Welt zu äußern. Auf einmal erfährst Du Dinge über Deine Figur, auf die Du nie gekommen wärst, wenn Du sie nur von außen betrachtet hättest.

Eine Variation dieser Technik ist es, zunächst einen Spaziergang zu unternehmen, bei dem Du Dir vorstellst, als Deine Figur unterwegs zu sein. Wie fühlt sich die Luft auf ihrer Haut an? Wie betrachtet sie andere Menschen? Nutze dieses Erlebnis anschließend für einen fiktiven Tagebucheintrag!

.

Figur-Interview

(Kombination aus intuitiver und analytischer Methode)

Diese Technik zielt darauf ab, sowohl das Innenleben und die Denkweise einer Figur kennenzulernen wie auch ihre Art zu sprechen.

Ein paar Dinge weißt Du bereits, deswegen kannst Du konkrete Fragen stellen. Für diese Fragen kannst Du systematisch die Figurdetails oder die Personen aus dem sozialen Netz abfragen – aber Du kannst auch offene Fragen stellen und zulassen, dass sich das Gespräch in eine ganz andere Richtung entwickelt.

Beispiel:

„Du hast da eine hübsche Zimmerpflanze. Woher kommt die?“

„Das war ein Geschenk von meiner Ex, zur Feier für meinen bestandenen Motorradführerschein.“

Bis zu diesem Zeitpunkt wusstest Du vielleicht nicht mal, dass die Figur Pflanzen gut genug pflegt, dass sie nicht vertrocknen – oder dass sie einen Motorradführerschein hat.

.

Meine Challenge für Dich:

Du verfügst jetzt über eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Deine Romanfiguren genauer kennenzulernen. Ab dem kommenden Tutorial vermittele ich Dir deswegen Methoden, um die Grundlagen Deines Plots zu erforschen.

Zum Abschluss des Lehrgangs über Figurerschaffung deswegen heute die Frage: Was ist Deine liebste Methode, um Deine Figuren zu erforschen? Zeig uns, was dabei herausgekommen ist :).

Natürlich gibt es noch viel mehr Methoden, um Deine Figuren kennenzulernen. Dieser Artikel soll Dir lediglich ein paar Anregungen für die kreative Weiterarbeit geben. Falls Du mehr darüber lernen möchtest, empfehle ich Dir meine Masterclass zur Figurentwicklung, bei der ich Dich intensiv auf dem Weg zu Deiner Romanfigur begleite, die sich für immer in die Herzen Deiner Leser*innen brennt.

Bleib dran, damit auch Du eines Tages selbstbewusst nicken kannst, wenn es heißt: “Romane schreiben wie die Profis”.

Liebe Grüße
Hanna

Bildnachweis: www.shutterstock.com
Grafische Gestaltung: Diana Aslan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.