Romane schreiben für Anfänger 2: Welcher Schreibtyp bist Du?

Triff eine Entscheidung!

In der Welt der Romanschreibenden herrscht ein heimlich und erbittert ausgetragener Krieg zwischen zwei Fraktionen. Männer und Frauen werfen sich virtuelle böse Blicke zu, um zu beweisen, dass nur Struktur beim Arbeiten zum Erfolg führt. Die Gegenseite beharrt verbissen darauf, dass der Schlüssel zur Meisterschaft ausschließlich mit Instinkt und Gefühl gefunden wird.

Beide Seiten gönnen der anderen Fraktion zähneknirschend ihre Methode. Trotzdem ist jeder heimlich davon überzeugt, dass der feindliche Weg auf Dauer zu Chaos, Zerfall und – Todsünde! – langweiligen Storys führt.

Und in diesem Konflikt beziehst Du jetzt Position.

Auch, wenn Dir spontan beide Seiten plausibel erscheinen: Entscheide Dich für eine. Kenne Deinen Weg. Verteidige ihn gegen jeden, der ihn Dir wegnehmen will.

Bauchschreiber*innen

Die intuitiven Typen sind die Menschen, die am liebsten aus dem Bauch heraus schreiben. Sie lehnen Tutorials und Schreibratgeber häufig ab. Am meisten lernt man ihrer Ansicht nach, indem man möglichst viele gute Bücher liest und sich aus ihnen intuitiv erschließt, wie es richtig geht.

Für diese Schreibtypen ist es eine Qual, eine vorgegebene Methode genau umzusetzen. Dabei geht für sie das Gefühl für die Geschichte und die Spontanität und Neugierde verloren. Wenn die Muse sie küsst, wird die Story ohnehin ganz anders. Warum also sollte man viel Zeit damit verwenden, abstrakte Dinge zu lernen, die einen beim Traumprojekt gar nicht weiterbringen? Bauchschreiberinnen erscheint es viel sinnvoller, stattdessen schöne Musik zu hören, tanzen zu gehen, aus dem Fenster zu schauen oder mit einem Freund über die Story zu quatschen.

Besondere Stärken:

  • Kreative und unkonventionelle Gedanken
  • Spontanes Verknüpfen scheinbar widersprüchlicher Zusammenhänge
  • Eine Vielzahl von spannenden Ideen

Mögliche Schwächen:

  • Festlegen auf eine der vielen Möglichkeiten
  • Ein Projekt durchhalten und beenden (statt 20 neue anzufangen)

Findest Du Dich darin wieder? Oder gehörst Du ins feindliche Lager?

Planschreiber*innen

Die analytischen Typen sind Menschen, denen es Halt und Sicherheit gibt, wenn sie beim Entwickeln und Schreiben eine Struktur haben, an der sie sich orientieren können. Diese Autor*innen wachsen oft über sich selbst hinaus, wenn sie entlang einer klar gegliederten Struktur bestimmte Methoden und Techniken anwenden. Sie erleben Strukturen nicht als einschränkend, sondern als Stütze und Halt, die ihnen die Tür zu ihrer Kreativität öffnen.

Für diese Schreibtypen ist es qualvoll, wenn Schreibaufgaben oder Projekte zu offen formuliert werden. Woher soll man wissen, welche der vielen Möglichkeiten am ehsten in eine Richtung führt, die beim Lesen überzeugt? Es erscheint viel sinnvoller, Methoden und Strukturen zu nutzen, die sich bewährt haben und auch in Zukunft funktionieren werden.

Besondere Stärken:

  • Handwerklich sauberes Umsetzen von Konzepten (Charakterdesign, Storyaufbau, Stil …)
  • Storys entwickeln, die Hand und Fuß haben
  • Konsequentes, kriteriengeleitetes Überarbeiten

Mögliche Schwächen:

  • Den „kreativen Brunnen“ öffnen und ins Fließen bringen
  • Erzeugen von Tiefe und Mehrdimensionalität

Wähle Deine Fraktion!

Beim Lesen hast Du wahrscheinlich schon gemerkt, dass zum Schreibprozess sowohl analytische wie auch intuitive Elemente gehören. Ich bitte Dich an dieser Stelle, Dich trotzdem einem der beiden Lager zuzuordnen. Denn nahezu jeder Autor und jede Autorin arbeitet lieber auf einer der beiden Ebenen.

Wenn Du Deinen eigenen Schreibtyp kennst, kannst Du beruhigt bleiben, wenn andere ihren Prozess ganz anders beschreiben und damit Erfolg haben. Sie wählen die Methode, die für sie gut funktioniert – genau, wie Du das auch tun solltest.

Die Faustregel lautet:

„Nutze Deine bevorzugte Methode, wann immer Du kannst. Aber wenn Du Dich blockiert fühlst, wechsele zur Gegenseite.“

Wenn Du lieber intuitiv arbeitest und spontan eine Idee für ein Kapitel für das Ende Deines Romans hast – schreibe es auf, statt Dich damit zu quälen, die Chronologie einzuhalten. Aber wenn Deine einzelnen Storyelemente zerfasern und Du den Roten Faden verlierst, wechsele zumindest eine Zeit lang ins analytische Lager. Hier bekommst Du das Handwerkzeug, um die Elemente Deiner Figuren genauer zu erforschen und den zentralen Konflikt systematisch aufzubauen.

Wenn Du lieber analytisch arbeitest, gönne Dir ein sorgfältiges Fundament aus präzise entwickelten Charakteren und Plottwists, bevor Du die Story beginnst. Aber wenn Du Dich blockiert fühlst und Dein Fundament Dir steril und konstruiert erscheint, wechsele für ein oder zwei Übungen ins intuitive Lager. Hier bekommst Du das Handwerkzeug, um den kreativen Brunnen ins Fließen zu bringen. Du erfährst, welche Abgründe und Konflikte Dir spannend genug erscheinen, um Deine Story mit Leben und Tiefe zu füllen.

In diesem Lehrgang biete ich Dir sowohl analytische wie auch intuitive Methoden, die Dich zu Deiner Story führen. Die Wissensvermittlung dient dem analytischen Zugang zur Story- und Textentwicklung. Zwischendurch erhältst Du immer wieder Ansätze und Methoden, die auf den intuitiven Zugang zu Deinen Texten abzielen.

Wenn Du Deinen Schreibtyp kennst, kannst Du auswählen, mit welchen Methoden und Herangehensweisen Du in welcher Situation arbeitest.

Meine Challenge für Dich

Benenne Deinen eigenen Schreibtyp – und schreibe ein flammendes Plädoyer, um ein Mitglied des anderen Lagers davon zu überzeugen, dass ausschließlich Dein Weg zum Erfolg führt.

Bildnachweis: www.shutterstock.com
Grafikdesign: Diana Aslan

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