Romane schreiben für Anfänger 1: Drei Säulen für Deinen Roman

„Wenn ich ein Buch schreiben will  – womit soll ich anfangen?“

Jedes Mal die gleiche Frage. Jedes Mal der gleiche Hunger und das Schimmern der Inspiration in den Augen eines Menschen. Schmetterlinge flattern durch meinen Bauch. Mein Herz schlägt schneller und meine Hände werden feucht.

„Setz Dich hin und schreib“, ist stets meine erste Antwort. „Eine Geschichte, die in Deinem Kopf eingesperrt bleibt, wird nie so gut wie eine, die tatsächlich das Licht der Welt erblickt. Es gibt etwas, was nur Du der Welt geben kannst.“

Doch ich weiß, dass die Antwort nicht ausreicht, um damit einen ganzen Roman zu schreiben. Eine gute Lehrerin muss ihr Thema kennen – aber vor allem muss sie wissen, wie sie ihr Geschenk auf eine Weise weitergibt, die möglichst viele Menschen erreicht. Deswegen beginne ich heute mit dieser Beitragsreihe. In 18 einfachen und klar verständlichen Lektionen erhältst Du hier das Handwerkszeug für die Story, die nur Du erzählen kannst.

Mein Name ist Hanna Aden. Ich habe schon vielen Menschen die Tür zu ihrer Traumstory geöffnet. Romane schreiben kann man lernen.

Ist das auch Dein Ziel?

Dann sei willkommen bei den Storytellers!

Was Du für Deinen Roman brauchst

Für einen guten Roman musst Du Deine Story aus drei verschiedenen Richtungen erforschen und auf spannende Weise an Deine Leser*innen vermitteln. Diese Bereiche sind:

  • Charaktere, die zu den besten Freunden Deiner Leser*innen werden
  • Plot, dessen Handlung von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann zieht
  • Sprachstil, der unauffällig und geschickt durch die Handlung trägt

Jede Story, die ihre Leser wirklich begeistert, hat zumindest eine dieser drei Säulen in besonders interessanter Weise gemeistert. Literaturpreise gehen oft an Autor*innen, die auf den Ebenen des Stils und/oder der Charaktererschaffung begeistern. In Unterhaltungsromanen ist es besonders der Plot, der beim Lesen in den Bann zieht.

Wenn Deine Geschichte überzeugen soll, musst Du zumindest mich auf allen drei Ebenen einfangen. Sowohl Charaktere wie auch Plot entwickelst Du nicht nur beim Schreiben, sondern auch im Vorfeld oder parallel zum eigentlichen Schreiben.

Hier zeige ich Dir die drei Säulen, die Du brauchst.

Charaktere

Mit dem Oberbegriff „Charakter“ sind folgende Figuren gemeint:

  • Hauptfigur (Protagonist*in, Held*in)
  • Gegenspieler*in, Antagonist*in (warum diese Figur so wichtig ist, erkläre ich später)
  • Nebenfiguren (wichtige und unwichtige)

Jede dieser Figuren soll vor dem inneren Auge Deines Lesepublikums lebendig werden. Bestimmt kennst Du viele Romanfiguren, die Dir so sehr ans Herz gewachsen sind, dass Du Dich am Ende des Buches ohne sie richtig einsam gefühlt hast.

Aber kannst Du auch selbst Figuren erschaffen, die beim Lesen auf ähnliche Weise in den Bann ziehen?

In den späteren Beiträgen zur Charaktererschaffung zeige ich Dir im Detail, wie diese Herausforderung gelingt. Für den Anfang hilft es, wenn Du folgende Fragen zu Deinem Protagonisten und Deinem Antagonisten beantwortest:

  • Wie heißt die Figur? (Vorname und Nachname)
  • Wie alt ist sie?
  • Was will sie erreichen?

Plot

Jede gute Geschichte hat einen Plot, der die einzelnen Szenen und Kapitel miteinander verbindet. Es gibt einen Roten Faden, der die einzelnen Storyelemente miteinander verbindet. Dieser Rote Faden lässt sich nahezu immer auf folgende Formel herunterbrechen:

„Die Hauptfigur hat ein Ziel und überwindet Widerstände, um es zu erreichen.“

Wenn Du Dir Deine Lieblingsbücher anschaust, wirst Du feststellen, dass sich ihre Handlung nahezu immer auf diesen Satz herunterbrechen lässt. Die folgenden Beispiele stammen aus Bestsellern, die unabhängig von ihrer literarischen Qualität eine Vielzahl von Menschen begeistern konnten:

  • „Harry Potter will ein friedliches Leben führen und bekämpft das Böse, das diesen Frieden zerstört.“
  • „Frodo will den Ring der Macht zerstören und reist dafür durch eine Welt voller Krieg und Gefahr.“
  • „Anastacia Steele will die Liebe von Christian Grey gewinnen und kämpft sich dafür durch seelische Verletzungen.“
  • „Ronja Räubertochter will ihren Vater Matthis und ihren Wahlbruder Birk gleichermaßen lieben dürfen und stellt sich den Konflikten, die daraus entstehen.“
  • „Lisbeth Salander will Verbrecher bestrafen und bricht dafür jede Regel.“

Hast Du schon eine Idee, wie Du Deine Traumstory zu einem Satz zusammenfasst?

Schreibstil

Auch die beste Idee ist nichts wert, wenn Du sie nicht erzählst. Deine Worte haben die Macht, Welten im Kopf Deiner Leser zu erschaffen. Ist das nicht großartig?

Zu einem flüssigen, gut lesbaren Schreibstil gehören viele Elemente. Als Autor*in nutzt Du Beschreibungen und Dialoge, Sinneseindrücke und Gedanken, Metaphern, Vergleiche, spannende Verben und eine Vielzahl an weiteren Tricks. All das führt dazu, dass Deine Geschichte sich vor dem inneren Auge Deiner Leser wie ein Film aus leicht entflammbarer Zellulose abläuft.

Die wichtigste Faustregel für einen guten Stil lautet:

“Je genauer Du weißt, was Du erzählen willst, desto genauer kannst Du es schreiben.”

Aus diesem Grund ist es oft besser, sich vor dem eigentlichen Schreiben Gedanken über Figuren und Storyline zu machen. In den künftigen Blogbeiträgen erzähle ich Dir mehr dazu, wie Du dabei vorgehst. Jeden Donnerstag erscheint eine neue Folge. Und am Ende gibt es jedes Mal eine Challenge:

Die Challenge der Woche

"Was will Deine Figur erreichen? Und welchen drei Hindernissen begegnet sie dabei?"
“Was will Deine Figur erreichen? Und welchen drei Hindernissen begegnet sie dabei?”

Schreibe Deine Antwort in die Kommentare und inspiriere damit die anderen Storytellers!

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