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Storywerte – Ein genialer Trick für mehr Tiefe im Roman!

 

Meine größte Leidenschaft als Autorin und Dozentin liegt darin, immer neue Wege zu erforschen, gute Geschichten in grandiose zu verwandeln. In meine Arbeit sollen stets die neusten Erkenntnisse und Methoden des professionellen Storytellings einfließen.

Ann-Kathrin Speckmann und Franziska Franken sind zwei junge Frauen, die diese Leidenschaft teilen. Nachdem sie direkt nach meinem Einstieg in die Welt der Wochenendseminare bei mir gelandet sind, haben sie bisher jeden Kurs mitgenommen. Nach intensiver Arbeit zur Methode der Storywerte (basierend auf Robert McKee) und der antagonistischen Kraft im Roman habe ich sie gebeten, ihre Erkenntnisse für diesen Blog zusammenzufassen.

Franziska schreibt:

“Was hilfreich ist, um sich das Spannungsfeld der eigenen Idee beim Schreiben klar zu machen, ist, den Hauptkonflikt zunächst in ein Gegensatzpaar herunterzubrechen. Das können gewisse “Werte” sein, die gegeneinander kämpfen, und die einem vielleicht am Anfang etwas trivial vorkommen. Eine Story kann von Glück und Unglück einer Figur handeln, von Freiheit und Gefangenschaft, von Erfolg und Misserfolg und so weiter.

Der positive und der negative Wert kämpfen miteinander, mal hat der eine die Oberhand, mal der andere. Diesen Kampf kann man sich in etwa wie eine Sinuskurve vorstellen: Um Spannung aufzubauen, müssen sich die beiden Gegensätze abwechseln.

Dabei ist es vor allem für den negativen Wert wichtig, dass er sich im Laufe der Handlung drastisch (möglicherweise bis zum Schlimmstmöglichen) verstärkt. Eine Person, die vom Unglück verfolgt ist, verpasst möglicherweise zu Beginn nur die Bahn; am Ende sinkt das Kreuzfahrtschiff, auf dem sie gerade Urlaub macht.”

 

(Franziska Franken)

Hanna schreibt:

Wenn man die Storywerte für die eigene Story herausgearbeitet hat, empfehle ich auf Grundlage der Methode von McKee, aus diesen ein grafisches Mindmap anzufertigen. Links oben steht der positive Wert, rechts unten der negative:

Als Nächstes überlegt man sich, wie der negative Storywert in abgeschwächter Form aussehen könnte, und trägt diesen Wert ebenfalls in die Grafik ein:

Laut McKee kranken viele mittelmäßige Geschichten daran, dass die Autor*innen ihre Geschichte nur bis zu diesem Punkt planen und plotten. Die wirklich guten und grandiosen Storys gehen jedoch immer noch einen Schritt weiter und stellen auch die Frage, welche Form der zu bekämpfende Negativwert in seiner krassesten Ausprägung hat.

Die Auseinandersetzung mit diesen Storywerten führt normalerweise nicht unmittelbar zu einem Plot, der sich in die Herzen der Lesenden brennt. Meist bewirkt sie als Erstes, dass man den gesamten bis dahin geplanten Plot und Konflikt noch einmal überprüft und feststellt, dass die eigene Story viel mehr Möglichkeiten hat, als man zunächst annahm.

Ann-Kathrin schreibt:

“Story-Werte sind das Allgemeingültige hinter einer Geschichte. Sie sind der Grund, warum ein Leser mitfiebert, obwohl er möglicherweise kaum eine Verbindung zur konkreten Geschichte hat. Es gibt immer einen positiven Wert, also das, was der/ die Protagonist/in glücklich macht: Liebe, Freiheit, Individualität, Nähe, Wissen oder etwas ganz anderes.Zu diesem positiven Story-Wert existiert immer ein Gegenteil. In den oben genannten Beispielen wären das vielleicht Hass, Sklaverei, Angepasstheit, Ferne und Unwissen.

Das jeweilige Gegenteil hat drei Ausprägungen: eine abgeschwächte, eine normale und eine extreme Variante.

Der Trick ist es, die passenden Story-Werte für die eigene Geschichte zu finden.

Manchmal scheinen sie ganz offensichtlich, in anderen Fällen muss man erst danach suchen und oftmals werden sie beim Plotten und Schreiben noch einmal (oder mehrfach) angepasst, verworfen und neu entdeckt.

Die finalen Story-Werte sollten in jeder einzelnen Szene auftauchen und sich in die eine oder andere Richtung verschieben.

Das heißt im ersten Akt und im ersten Wendepunkt geht es vorrangig um den abgeminderten negativen Story-Wert. Im zweiten Akt gewinnt die normale Ausprägung des negativen Story-Werts an Bedeutung, bis er sich schließlich im letzten Akt zur extremen Variante weiterentwickelt. Bei einem Happy End reißt der Autor das Ruder in letzter Sekunde rum, sodass der positive Story-Wert gewinnt.”

Ann-Kathrin Speckmann

 

Wie man sieht, kann die Arbeit mit den Werten richtig Spaß machen – und den eigenen Kreativprozess beflügeln!

Nutzt ihr auch Storywerte für eure Arbeit – oder könnt euch nach diesem Artikel vorstellen, es zu tun?

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Bildnachweis: Alle Rechte bei Hanna Aden. Veröffentlichung mit freundlicher Erlaubnis der Abgebildeten.

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